Ein Impuls von M. Sophia in den Tagen vor Pfingsten

Der Auferstandene ist weg; er ist weggegangen, kann nicht mehr wahrgenommen werden – für immer. Das ist die Situation der Jünger, nachdem Jesus in den Himmel aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,12). Wir können uns sehr gut in die Apostel hineinversetzen und mit ihnen fühlen. Erfahrungen, wie sie die Jünger Jesu zwischen Himmelfahrt und Pfingsten machen, sind uns vertraut: Der, der für sie ihr Leben war, dem sie ihre ganze Liebe geschenkt hatten, für den sie alles – Familie, Beruf, Sicherheit – verlassen hatten: er ist nun plötzlich nicht mehr sichtbar; sie können ihn definitiv nicht mehr erfahren so, wie wir andere Menschen in unserem Umkreis erfahren. Das gemeinsame Mahl, die Begegnungen mit dem Auferstandenen, Erfahrungen der Freude und des Friedens, all das ist fortan Erinnerung. Wir kennen solche Erfahrungen aus unseren menschlichen Beziehungen; manchmal kann es da einem geradezu den Boden unter den Füßen wegziehen. Das, was einem so lieb und vertraut war, es wird einem plötzlich genommen, aus der Hand gerissen. Was heißt das, wenn Gott einfach weg ist? Jesus nicht mehr da ist? Liebgewonnenes uns genommen wird? Ist nicht vielleicht auch unsere gegenwärtige Situation so etwas wie eine Zeit zwischen Himmelfahrt und Pfingsten?

Wir sitzen wie die Apostel hinter verschlossenen Türen und warten, hören, schauen aus, was kommen wird, wie der Weg weitergehen kann. Von den Jüngern heißt es in der Apostelgeschichte, dass sie, nachdem Jesus in den Himmel aufgenommen wurde, nach Jerusalem zurückkehren und in das Obergemach gehen, wo sie nun ständig bleiben (vgl. Apg 1,12.13).

Was sind das für Erfahrungen, die sie da machen? Das Obergemach ist für sie ein Ort, wo sie mit ihren Ängsten sich aufgehoben fühlen. Das Obergemach ist nicht bloß ein Raum der Erinnerung an Vergangenes, ein Raum des Rück-Blicks, in dem die Jünger bleiben; das Obergemach wird für die Apostel zu einem Erfahrungsraum für Neues, ein Raum der sie bereitet für den Geist Gottes, der alles neu macht.

Ein Erstes: Da ist die Erfahrung von neuer Gemeinschaft. Alle verharren einmütig im Gebet, so heißt es (vgl. Apg 1,14). Das meint doch: In ihnen ist die Sehnsucht, das Verlangen nach dem Herrn geweckt. Sie können den Herrn nicht mehr wie früher bei sich haben und so kann die Sehnsucht wachsen. Sie sind einmütig in dem Verlangen, den Herrn, der weg ist, zu finden und ihn zu suchen. Warum verlangen sie nach ihm? Alles Einbildung? Oder vielleicht eine Ahnung, ein Gespür für seine Gegenwart, die so ganz anders ist? Was heißt das dann für uns? Für mich?

Ein Zweites: Die Jünger ziehen sich zurück. Sie sind in der Welt, aber nicht von der Welt. Das Obergemach hebt sie nicht aus der Welt; aber die Welt ist für sie nicht alles. Sie leben nicht aus der Sicherheit, die die Welt bereit hält, sondern aus der Quelle seiner Verheißung, die so glaubwürdig ist, dass sie ihr geradezu vertrauen müssen: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Aus welcher Sicherheit leben wir? Lebe ich?

Und schließlich: Maria, die Mutter der Hoffnung, hat in diesem Erfahrungsraum eine zentrale Aufgabe. Sie, die unter dem Kreuz stand, die ausgehalten hat bei ihrem Sohn, sie hält die Apostel zusammen. Was kann ich tun, dass der Zusammenhalt wächst? Dass die Gegenwart des Herrn erfahrbar wird? Wie kann ich, wie können wir von der felsenfesten Hoffnung mit unserem Leben Zeugnis geben?

 

Ein Impuls unserer Schwester Kyrilla Spiecker (1916 – 2008)

In ihrer Autobiographie „Zerreißproben“ denkt Sr. Kyrilla darüber nach, wie die Verbindung zu Gott auch mitten in den Anforderungen des Alltags lebendig bleiben kann. Das Foto aus unserer Kirche ist vielleicht eine passende Illustration dazu (man muss allerdings ganz genau hinschauen ….).

 

Hier der Text von Sr. Kyrilla:

Weil ich in der Taufe den Heiligen Geist empfangen habe, betet Geist Gottes in mir: Ich stehe „unter Strom“. Er selbst tritt vor Gott für mich ein und hilft meiner Schwachheit (vgl. Röm 8). Ich brauche nicht einmal den Strom einzuschalten. Ich muss ihn nur in Anspruch nehmen, um Gottes Kraft zu erfahren. Oft lasse ich mich ablenken und vergesse darüber, dass mein „Anwalt beim Vater“ Tag und Nacht ein Ohr für mich hat, weil mein Herz sein „Büro“ ist.
Der Pilot im Cockpit ist nicht so vergesslich. Er weiß, dass seine Verbindung mit dem Kontrollturm für ihn lebenswichtig ist. Ohne den Funkkontakt verliert er den Kurs, erfährt er nichts von einer Gefahr. Mir will der Geist Gottes den Weg weisen, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Wenn ich ihn bitte, „tritt er so, wie Gott es will, für mich ein“. Weil der Pilot unterwegs ist, sind Anfragen und Antworten kurz.
Die Methode des Piloten ist auch für mich brauchbar. Die Arbeit erlaubt auch mir keine Weitschweifigkeit. Dennoch kann ich mit Gott in Funkkontakt bleiben. Das ist allezeit und überall möglich: ganz gleich, wo ich bin, was ich gerade tue, was mich gerade bedrängt, erfreut oder ärgert. Weil ich immer „empfangen“ werde und der „Empfänger“ pausenlos „sendet“, brauche ich nicht auf die Stille zu warten, um beten zu können. Funkverbindung ist gut, wenn die Zeit nur Kurznachrichten erlaubt und Kurskorrekturen. Das vernetzt mir alle Stunden mit Gott. Der Dauerkontakt verkürzt auch die Startstrecke ins ausdrückliche Beten. Könnte das für uns heute nicht eine brauchbare Variante des „immerwährenden Betens“ sein?

Ein Impuls zum Sonntag von Schwester Eucharis

Wieder hat Sr. Eucharis ihre ganze Kreativität eingesetzt, um uns Anteil zu geben an ihren Erfahrungen und Durchblicken in dieser Corona-Zeit. Das Original ist hier als PDF-Datei eingestellt.

 

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Zwei digitale Kunstprojekte mit unserer Schwester Corona (1921-20018) am 2. Jahrestag ihres Todes, dem 3. Mai

Heute lassen wir unsere Schwester Corona in 2 Filmen – digitalen Kunstprojekten von Thomas Henke und Joachim Hake – selber zu Wort kommen. Sie hat uns vieles in diesen Tagen der Pandemie zu sagen und kann uns zum Nachdenken anregen.

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Persönliche Erfahrungen und Durchblicke in der gegenwärtigen Zeit der Pandemie – ein Beitrag von Schwester Eucharis

Empfinden Sie auch die fast despotisch werdende Sogwirkung der Corona-Nachrichten …? Sie beherrschen das Feld … unsere Aufmerksamkeit … unsere Wahrnehmung …!

Und heute Morgen stellte sich mir förmlich ein Wort aus dem Evangelium in den Weg. “Ein Schriftgelehrter fragte Jesus: Welches Gebot ist das erste von allen? Jesus antwortete: Das erste ist: Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist grösser als diese beiden …“ (Markus 12, 28—31)

Da stand ich denn plötzlich unausweichlich vor der Frage: Und wie bringe ich jetzt dieses Evangelium mit der Corona-Pandemie in Verbindung…?
Tag für Tag wird uns aufs eindringlichste immer neu wiederholt, das Allerwichtigste sei jetzt das Einhalten der Hygieneregeln, der Abstand-Gebote und des disziplinierten Verzichts auf alle vermeidbaren direkten Kontakte mit andern – also unseren „Nächsten“!

In unserem aktuellen Kontext muss Jesu Wort uns doch anmuten wie ein „Fremd-Wort“ aus einer Welt, die durch einen unüberbrückbaren Graben getrennt ist von der Welt, in der wir hier und heute leben! Und dieses Wort möchte mir r heute begegnen …?
Aber wie denn?

Während ich so fragend auf eine Antwort wartete, geschah auf einmal etwas Unverhofftes. Plötzlich spielte mir mein PC einen Schlüssel zu, der mir einen überraschenden Zugang zu Jesu Wort eröffnete: Wer mit einem PC vertraut ist, weiß, dass es da die Möglichkeit gibt, einen Text mit einem Bild so zusammenzufügen, dass das Bild den Hintergrund bildet für den Text – oder umgekehrt der Text den Hintergrund für das Bild – ja?

Und auf einmal ging mir auf: Genau so etwas macht Jesus hier ja im Hinblick auf das biblische Doppelgebot der Gottes- und der Nächstenliebe: Beide gehören untrennbar zusammen! Ohne Nächstenliebe gibt es im Verständnis von Jesus keine glaubwürdige Gottesliebe – aber ebenso wenig gibt es für ihn ohne Gottesliebe eine Nächstenliebe, die auch über Abgründe zu tragen vermag und Zuversicht ausstrahlt noch mitten im Dunkel bedrohlicher Katastrophen …

Und ist denn das, wonach heute so viele Menschen Ausschau halten und sich danach sehnen, nicht gerade eine solche Nächstenliebe, die auf der einen Seite ganz praktische Hilfe anbietet und zu leisten bereit ist … aber darüber hinaus mitten in all den Verunsicherungen, die unser Leben bedrohen und uns in Angst versetzen, einen Raum der Geborgenheit anzubieten vermag durch nichts anderes als durch das Geheimnis eines Vertrauens und einer Zuversicht, die nicht abhängig sind von günstigen Zukunftsprognosen.
Wohl jeder weiß aus eigener Erfahrung, wie wenig ein solches Vertrauen und solche Zuversicht „verordnet“, gefordert oder willentlich aufgebracht werden können …
Es sind Geschenke von woanders her – Lebenskräfte, die aus einer unsichtbaren Quelle gespeist werden. Der Glaube nennt diese unsichtbare Quelle Gott.

Und jetzt verstehe ich plötzlich den Ernst und die Bedeutung von Jesu Antwort an den Schriftgelehrten, der ihn nach dem ersten – dem wichtigsten – Gebot fragte: “Das erste ist: Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft.”
Unter „Gott lieben“ versteht Jesus hier nicht ein Gefühl, sondern eine entschlossene und radikale Hinwendung zum Geheimnis jener unsichtbaren Quelle, die auch mitten in unserer heutigen Zeit und Welt sprudelt und unser vom Coronavirus bedrohtes Leben mit Kräften zu stärken weiß, die wir uns nicht selber beschaffen können …!
Weil Gott die Quelle allen Lebens ist, muss auch die Hinwendung zu ihm das erste und wichtigste Gebot für uns in unserem Leben sein – und das gerade in unserer heutigen weltweiten Krisensituation, die uns auf vielfältige Weise den Boden unter den Füßen zu entziehen droht, wenn wir allein auf unsere eigenen Kräfte und Mittel angewiesen blieben …!

Und eben das ist es, worauf mich mein PC so unverhofft aufmerksam gemacht hat: Für Jesus ist die Gottesliebe der Hintergrund für den Tiefgang unserer Nächstenliebe! Das Gebot der Gottesliebe ist für ihn das erste und wichtigste Gebot, nicht weil für ihn die Nächstenliebe gegenüber der Gottesliebe „zweitrangig“ wäre – sondern weil die Gottesliebe der Nächstenliebe einen Tiefgang verleiht, den wir ihr mit unseren eigenen Kräften und Möglichkeiten nie geben könnten … der auch nie staatlich zu organisieren wäre!
Und nach dem doch gerade in der gegenwärtigen weltweiten Krisensituation jetzt so viele Menschen hungern …!

Ein Text von Schwester Corona (1921-2018) an ihrem 99. Geburtstag

Heute, am 18.4., ist der 99. Geburtstag unserer 2018 verstorbenen Schwester Corona. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir einen Text aus ihrem letzten Buch „spuren. gesichter der gnade“. Sie beschäftigt sich dort mit der Dankbarkeit – einer Haltung, die sie gerade auch auf ihrer letzten Wegstrecke in beeindruckender Weise gelebt hat.

„Wer danken gelernt hat, weiß sich umgeben von Gottes vielfältigen Werken und Taten. Aus Gottes Perspektive ahnt er in allem Auf und Ab des Lebens, wie gut Er ist, dem er dankbar ist. Er ahnt es, bis der in die geschichtliche Zeit und Welt kommt, der die Ahnung zur Glaubensgewissheit macht. Er, der Gottes Wesen verkörpert, Jesus Christus, kann und will es. Im Mensch gewordenen WORT gibt sich ja der Vater schon jetzt zu erkennen. Wobei erkennen im ursprünglichen Sinn weit mehr ist als intellektuelle Einsicht, nämlich Einswerden in der Liebe. Darüber treten Gottes Werke sozusagen in die zweite Reihe, denn Er selbst, Jesus Christus, ist Gottes allumfassendes Werk und somit größer als jede Einsicht, schlechthin unbegreiflich.

Von Ihm ergriffen, kann der Mensch sich nur ergreifen lassen und im Danken Seine Liebe annehmen. Größeres gibt es nicht. Abschiednehmend bekennt Jesus eben dies im Aufbruch zum Vater: ‚Deinen Namen tat ich ihnen kund und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der Du Mich geliebt hast, in ihnen sei und Ich in Eins mit ihnen‘.“

 

Ein österlicher Beitrag von Schwester Eucharis

Einen weiterer Impuls von Schwester Eucharis findet sich hier – wieder in der Original-Formatierung.

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Impuls von M. Sophia am Ostermontag

Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat
„Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.“ Dieser Vers (V.24) aus Psalm 118 begleitet uns durch die Osterzeit: In den Messgesängen, im Stundengebet, beim Tischgebet. Auch Jesus hat in der Nacht vor seinem Leiden diesen Lobgesang gebetet, wie es die Evangelien bezeugen. Man mag sich fragen: Wie konnte Jesus in der Situation seines bevorstehenden Leidens und wie können wir in der gegenwärtigen Krise diesen Psalmvers beten? In einer Zeit, in der nicht wenige Menschen von der Leidenserfahrung Jesu in der augenblicklichen allgemeinen Not, insbesondere aber auch in ihrem ganz persönlichen Leben etwas wiederfinden und mit ihm teilen können?

Mit Jesus befinden wir Christen uns offensichtlich in einer anderen Situation als der Beter des Psalms: Psalm 118 ist ein Dankgebet nach der Rettung aus schwerster Bedrängnis und Todesnot. Für den Beter ist die Errettung aus dem Tod ein Wunder, das nur Gott machen konnte. So sagt er (Ps 118,21-25):

„Ich will dir danken, dass du mir Antwort gabst,
du bist mir zur Rettung geworden.
Ein Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Vom Herrn her ist dies gewirkt,
ein Wunder in unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat;
wir wollen jubeln und uns über ihn freuen.
Ach, Herr, bring doch Rettung!
Ach, Herr, gib doch Gelingen!“

Schon bald wurden diese Psalmverse von den ersten Christen mit dem Ostergeheimnis in Verbindung gebracht und auf Jesus Christus gedeutet. Wie der Psalmist blickten die ersten Christen also auf eine bereits gemachte Erfahrung zurück. Lebendige Erfahrung begründete ihren Lobgesang. Wir stehen heute wie Jesus damals dagegen vor einer derartigen rettenden Erfahrung. Wir hoffen darauf.

In unserer Not möge uns das – für alle gewohnte, vertraute Erfahrung völlig unwahrscheinliche – Ereignis von Jesu Leben trotz seines Todes, seiner unerwarteten Auferweckung, ein Trost sein. Denn in der rückblickenden Vergegenwärtigung seiner Auferweckung haben wir allen Anlass zu glauben, dass Unwahrscheinliches wahr zu werden vermag, und unsere Perspektivlosigkeit sich verändert, wenn wir uns für ein neues Sehen öffnen, das vom Geist Jesu und der Erfahrung inspiriert ist, die die Jünger und Jüngerinnen an Ostern mit ihm machen durften: Ein Sehen im Glauben, das nicht vor der Macht des Faktischen, der gegenwärtigen Lage kapituliert, sondern in allem mehr sieht als das, was augenscheinlich ist: die Macht Gottes, die alles gottentsprechend verwandelt, das Dunkel mit Licht erfüllt und in der Ausweglosigkeit neue Wege und neuen Sinn stiftet. Wir dürfen darauf vertrauen, dass dies geschieht – unsichtbar, unausdenkbar und vielleicht gegen alle Erwartung. Die Jünger und Jüngerinnen haben dies an Ostern erfahren. Deshalb haben wir allen Grund, Psalm 118 zu beten.

Wir können uns von diesen Psalmversen daran erinnern lassen: Es gibt den Tag der Rettung. Ja, der Tag der Rettung ist schon da: Jesus hat den Tod besiegt. Er ist auferstanden! Er lebt und schenkt uns neues Leben! Dieser Tag ist unauslöschlich. Mit diesem Tag hat sich alles gewandelt; auch in den dunkelsten Augenblicken unseres Lebens bleibt dieser Tag gegenwärtig. Der Auferstandene ist unsere Hoffnung! Er ist da, hier und jetzt. Deshalb beten wir in der Osterzeit in Konsequenz der Erfahrung seiner Auferweckung jeden Tag diesen Psalmvers: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.“

 

 

Impuls von Sr. Angela am Karfreitag

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Impuls von Sr. Angela am Gründonnerstag

Es ist schon Tradition, dass am Vormittag des Gründonnerstags eine unserer Schwestern für die mitfeiernden Gäste eine Einführung in die Liturgie des Tages gibt. Daran wollen wir auch unter den veränderten Bedingungen in diesen Tagen festhalten – denn wir gehen ja gemeinsam auf Ostern zu – verbunden in Gedanken und im Gebet!

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Impuls von Sr. Hanna am Karmittwoch

Für den Karmittwoch hat unsere Sr. Hanna einen weiteren Impuls für das “geistlichen Anti-Viren-Programm” verfasst.

 

Das Geheimnis des Lammes
„… sonst müssten wir verzagen…“

Dieses Wort aus dem Eingangschor der Matthäus-Passion von J.S. Bach möchte ich heute auf alles Leiden unserer Gegenwart beziehen: Leiden an der furchtbaren Pandemie, Leiden an der Welt, Leiden an der Kirche, Leiden in unserem persönlichen Leben: Wäre es unverständlich, angesichts dieser Problemwüste zu verzagen?
Es heißt aber: „… sonst müssten wir verzagen…“. Welche Wirklichkeit kann dieses „Sonst“ unterfangen? Können wir es ergründen?
Für den Glaubenden umschließt das „Sonst“ jenen geheimnisvollen Weg der Erlösung, den Jesus Christus für uns in der Niedrigkeit eines Lammes bis ans Kreuz gegangen ist. Seitdem – so glauben wir – gibt es kein letztes Verzagen mehr, vielmehr jenen Frieden, den die Welt sich selbst nicht geben kann.
Selbst Bach, der im Choral seiner Matthäus-Passion weit in das Geheimnis des Lammes hinein gedrungen ist, kann dieses „Sonst“ nicht ausloten.
Von jeher haben Juden und Christen über die Bedeutung des Lammes in Gottes Heilsgeschichte mit uns Menschen nachgedacht. Es trägt deutlich erkennbar das Merkmal einer ewigen Erwählung. Der Schöpfer hat in dieses Geschöpf Wesenszüge hineingelegt, durch die er vom Innersten seiner Liebe zu den Menschen sprechen konnte: Das Wort von seinem Sohn, dem Lamm Gottes.
In der Feier dieser Tage wird das Bild des Lammes in seiner Niedrigkeit für uns zur Brücke in das Geheimnis unserer Erlösung.
Paulus sagt es so: „Das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen.“
Mit ihm dürfen wir sagen: Die Liebe Gottes – im ohnmächtigen Lamm – ist mächtiger als alle Macht der Menschen.
Im seinem Lamm bringt Gott seine Wahrheit ans Licht. Seine Wahrheit aber ist seine unausdenkbare, unergründliche Liebe zu jedem Menschen.
 „… sonst müssten wir verzagen…“ Wir brauchen es nicht!
Unser Herz darf vertrauen, stark und unverzagt.

Ein weiterer Impuls unserer Sr. Eucharis

Am Montag der Heiligen Woche gibt es einen weiteren Impuls unserer Sr. Eucharis. Wir fügen ihn hier als PDF-Datei ein, um die Originalformatierung beibehalten zu können. Wer schon einmal einen Kurs bei Sr. Eucharis besucht hat, weiß, wieviel Liebe sie auf die Gestaltung ihrer Arbeitsblätter verwendet…

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Ein Text unserer Schwester Corona Bamberg

Unser „geistliches Anti-Viren-Programm“ setzen wir heute fort mit einem Text von unserer 2018 verstorbenen Sr. Corona Bamberg. Der Text stammt aus ihrem letzten Buch „schauen – gesichter der gnade“. In Sr. Corona haben wir in diesen Tagen sicherlich eine gute Fürsprecherin.

Sie schreibt:
„Wer auch im Leiden, selbst wo es ihm zur Überlast wird, Gnade als schön erfahren hat – im Lateinischen ist das Wort für Gnade: gratia, wurzelhaft verbunden mit dem griechischen Charis, Anmut, Grazie und eben auch Schönheit -, wird eher eine Ahnung davon bekommen, dass der Weg, der zur Vereinigung mit Gott führt, „über das anbetungswürdige Leben und Leiden unseres Herrn Jesus Christus“ führen muss (Johannes Tauler). Er wird dann weniger zögern, sich auf diesem Weg zu quälen, er wird ihn durchhalten und schließlich, wie Tauler seinen Gläubigen aus Erfahrung predigt, diesen Weg „zuletzt leicht und erfreulich“ finden.

Da ist sie wieder, die österlich tröstliche Erfahrung, in die Leiden, Schmerz und geistlicher Tod nach dem Zeugnis begnadeter Menschen einmünden können, auch wenn im Alltag von uns durchschnittlichen Menschen solche Erfahrungen Seltenheit bleiben mögen.“

 

Ein Impuls von unserer Schwester Hanna zu den Klageliedern

„Und es geschah, nachdem Israel gefangen weggeführt und Jerusalem verwüstet war, da setzte sich Jeremia weinend hin und wehklagte diese Tränen (Threnos) über Jerusalem.“
So beginnt eines der dunkelsten Schriften der Bibel, das Büchlein der Lamentationen (Klagelieder) des Propheten Jeremia.
Obgleich in Zeiten von großen Unruhen und schwerer Not geschrieben, weist der Prophet uns darin einen Weg, der zu einer Bewältigung des Leidens verhilft und eine neue Zukunft eröffnet.
Unsere christliche Liturgie singt das dritte von den fünf Klageliedern in den Metten zu Karfreitag. Hier wird es durchsichtig für Jesus Christus und das Geheimnis seines Leidens für uns.
Schlüsselworte zu diesem Klagelied sind das „Harren“ und „Festhalten“ des Leidenden an der unbeirrbaren Treue und Barmherzigkeit Gottes. Hören wir den Betenden selbst:
3,21 Das will ich mir zu Herzen nehmen, darauf will ich harren:
22 Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft, sein Erbarmen ist nicht zu Ende.
23 Neu ist es an jedem Morgen; groß ist deine Treue.
26 Gut ist es, im Schweigen zu harren auf die Hilfe des Herrn.

Der klagende Beter hat durch alle furchtbaren Leiderfahrungen hindurch das Ausmaß der unentwegten Treue Gottes erkannt. Er hat vertrauend an ihr festgehalten und ist so zu neuer Hoffnung vorgestoßen.
Wir hören und beten die Klagelieder heute in einer Welt, die zum Klagen Anlass gibt. Wir erkennen neu, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Im Blick auf das Leiden Jesu, unseres Herrn erfahren wir:
Gut ist es, sich Ihm anzuschließen und im Schweigen zu harren auf die Hilfe Gottes.

 

Impuls am 28.3.

Heute, am 28.3., dem 72. Todestag unseres P. Odo, der als Spiritual unsere Gemeinschaft geprägt hat, zitieren wir in unserem „geistlichen Anti-Viren-Programm“ aus einer Veröffentlichung über ihn. Sie stammt von seinem Laacher Mitbruder P. Angelus Häußling (ALw 28, 1986). Dort heißt es:
Wir geben nur ein einziges Beispiel, das zeigen soll, wie Odo Casel aus seinem theologischen Konzept heraus in unwahrscheinlich einfachen Worten, ohne Minderung der tiefsten Wahrheit, einen beispielhaften Dienst der Erbauung leisten konnte. Er war wenig mehr als ein Jahrzehnt als Spiritual in der Benediktinerinnenabtei Herstelle, als die Kommunität von einem harten Schlag getroffen wurde. Ein jüngeres Mitglied, auf dem viele Hoffnungen ruhten, verstarb unerwartet. Der von Trauer betroffenen Kommunität sagte P. Odo Casel das schlichte, fast enttäuschend einfache Wort: „Jeder Mensch, auch der geringste, ist so in Gottes Hand, als wäre er Gottes einzige Sorge.“

 

 

 

Der vierte Impuls stammt von Dr. Norbert Ernst aus seiner Predigt am vergangenen Sonntag

Weshalb geschieht das jetzt? In früheren Zeiten, etwa der Pest, war man versucht, ein Strafgericht Gottes darin zu erblicken. Noch der Jesuit Paneloux in dem Roman „Die Pest“ von Albert Camus denkt so, wenigstens zu Beginn der Epidemie, die in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Stadt Oran heimsucht. Eine Strafe Gottes! Welch ein Frevel, so zu denken! Als ob man Gottes Absichten erkennen könne!

Warum die Welt jetzt diese Pandemie erleidet, bleibt ohne Antwort. Es sei denn, der Mensch zieht Lehren daraus und fragt sich, in welchen Verblendungen er womöglich gelebt hat. Nein, es bleibt nur übrig – für die, die es noch können -, darum zu beten, dass den Menschen der Mut nicht ausgeht. Und dass niemand sich den Blick verstellen lasse auf das Große und Großartige, das jetzt auch geschieht. Am Ende seiner zweiten Predigt, nachdem er anders zu denken gelernt hat, sagt der erwähnte Jesuit, in Erinnerung an die große Pest von Marseille, vor der alle flohen, außer einem Priester: „Meine Brüder, man muss der sein, der bleibt.“

 

Ein 3. Impuls

Haben Sie mittlerweile auch schon die Puzzles aus der hintersten Ecke wieder hervorgeholt? Auf dem Foto sehen Sie, woran eine Mitschwester gerade sitzt. Sie ist übrigens schon weit über 90 Jahre alt. Und ihrem Lieblingshobby geht sie auch nur dann nach, wenn sie alle anderen Aufgaben für die Gemeinschaft erledigt hat.
Was das mit Spiritualität zu tun hat?

Der hl. Benedikt schreibt in seiner Regel: “Die Älteren ehren“ (RB 4,70). Vielleicht lehren uns diese Tage, wieder neu zu entdecken, welcher Schatz unsere älteren Mitmenschen sind – wieviel wir von ihnen lernen können – dass wir vielleicht auch behutsam mit ihnen umgehen, wenn wir spüren, dass frühere schwere Erfahrungen bei ihnen nun neu lebendig werden – und dass wir ihnen zuhören, wenn sie uns erzählen, wie wir auch in schweren Zeiten den Mut bewahren können und an der Hoffnung festhalten…

Sr. Lucia

 

Ein weiterer Impuls unserer Schwester Eucharis am Benediktstag, 21.3.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es heute irgendwo einen Menschen gegeben – der nicht die warme Frühlingssonne als ein beglückendes Geschenk empfangen hat – und wenn sie ihn nur wenigstens in seinem Zimmer mit einem kurzen Besuch erfreut haben sollte …!
Die Seele konnte tief auf – und durchatmen … nach so viel Coronavirus-Alarm!

Und plötzlich spürte man wieder, das gibt es ja doch auch noch in dieser Welt: den Frühling, der sich nicht ausgrenzen lässt … Leben, das aus allen Ritzen dringt und uns in überschwänglicher Farbenpracht entgegenblüht …!

Wie mag es Ihnen gehen?
Ich jedenfalls fühlte mich durch die Begegnung mit diesen lautlosen Lebensgeheimnissen draußen in unserem Garten wie leise an die Hand genommen und aufgefordert, ihre Spuren auch außerhalb des Gartens zu entdecken … sie wahrzunehmen in all den Aufbrüchen von kreativer Hilfsbereitschaft und phantasievollen Zeichen menschlichen Zuwendung mitten in all den gegenwärtigen Restriktionen unserer gewohnten Kontaktmöglichkeiten …
Es kommt noch etwas anderes mit ins Erleben der gegenwärtigen Ereignisse, wenn ich nicht nur Augen habe für den Feind, der unser Leben bedroht – sondern auch für das Geheimnis des Lebens, das von woanders her zu uns kommt …bei uns bleibt … und unser Leben trägt … selbst durch den Tod hindurch …!

 

Ein Impuls unserer Schwester Eucharis angesichts der Corona-Krise

Mir ist, als ob die Welt über Nacht zusammengeschrumpft wäre auf ein Wohnzimmer, in dem immer mehr Menschen aus aller Welt ankommen, um sich zusammenzutun in ihrem erbitterten Kampf gegen einen gemeinsamen Feind. Einen Feind, der über eine Waffe verfügt, deren unheimliche Macht uns plötzlich konfrontiert mit einer Ohnmachts-Erfahrung, auf die wir Menschen des 21. Jahrhunderts nicht gefasst waren…!
Noch stehen wir diesem Feind eher defensiv gegenüber: durch Grenzschließungen, Isolation und Rückzug aus unseren vertrauten zwischenmenschlichen Kontakten …
Und damit leben wir plötzlich wie in einer ganz anderen, uns fremd gewordenen Welt.

Wir hier im Kloster erleben diese Befremdlichkeit, wenn wir zwar in unserer Kirche miteinander weiterhin Gottesdienste feiern dürfen – aber hinter uns die Gästebänke leer bleiben …!
Da fehlt etwas … !
Da fehlen Sie – leibhaftig … oder mindestens als grundsätzlich möglicher Gast!
Um so intensiver verbinden wir uns mit Ihnen, nehmen Sie mit auf unserem Weg und schließen Sie mit ein in unseren Gebeten …!

 

 

Aus der Meditation zum Jahresleitwort von M. Sophia –
von ganz neuer Aktualität in diesen Tagen der Corona-Pandemie

„In dem vergangenen Jahr haben wir unseren Blick auf das Zentrum unserer Kirche gerichtet: auf die Gegenwart des Herrn, der in unserer Mitte ist. In diesem Jahr soll die Bewegung nach draußen im Mittelpunkt stehen. Diese Bewegung ist in unserer Kirche gleichermaßen angelegt. Da sind die geschwungenen Bänke, die wie eine immer kleiner werdende Welle den Raum weiten und in die Ferne weisen. Und da sind die Halbkreise, die auch in der Breite die Raumgrenzen sprengen und sich erst außerhalb der Kirchenmauern zum Kreis schließen. Konzentration, aber auch Weite und Dynamik liegen in unserem Kirchenraum.
Diese Aus-Wirkungen der Mitte sollen uns in dem Leitwort „Hoffnung, die uns erfüllt“ (vgl. 1 Petr 3, 15) mit auf den Weg gegeben sein. Von der Mitte geht die Hoffnung aus; sie teilt sich mit, will weitergetragen und verkündet werden.
Was kommt mir spontan beim Hören dieses Wortes? Vielleicht werde ich erinnert an Erfahrungen, wo mir neue Hoffnung geschenkt wurde; wo es plötzlich leichter wurde und mir neue Kraft zugewachsen ist, obwohl dass Schwere noch gar nicht weg war und Aussicht auf Änderung nicht am Horizont stand. Vielleicht habe ich Menschen vor Augen, die Hoffnung ausstrahlen und mit ihrer Haltung, mit ihrem Leben, mit ihrem Einsatz Hoffnung schenken.
Ohne Hoffnung, ohne Zukunft können Menschen nicht leben. Die Hoffnung, von der Petrus in seinem Brief schreibt, ist nicht eine Hoffnung, die sich ein besseres Leben erwünscht; es ist keine Hoffnung, die von einer besseren Welt träumt oder sich in eine Vergangenheit versetzt, wo alles so sicher und klar war oder zumindest so erschien. Es ist die gekreuzigte Hoffnung des Auferstandenen, die der Gott der Hoffnung in den Menschen, die an ihn glauben, in die Welt bringt.“