Ein Impuls von unserer Schwester Hanna zu den Klageliedern

„Und es geschah, nachdem Israel gefangen weggeführt und Jerusalem verwüstet war, da setzte sich Jeremia weinend hin und wehklagte diese Tränen (Threnos) über Jerusalem.“
So beginnt eines der dunkelsten Schriften der Bibel, das Büchlein der Lamentationen (Klagelieder) des Propheten Jeremia.
Obgleich in Zeiten von großen Unruhen und schwerer Not geschrieben, weist der Prophet uns darin einen Weg, der zu einer Bewältigung des Leidens verhilft und eine neue Zukunft eröffnet.
Unsere christliche Liturgie singt das dritte von den fünf Klageliedern in den Metten zu Karfreitag. Hier wird es durchsichtig für Jesus Christus und das Geheimnis seines Leidens für uns.
Schlüsselworte zu diesem Klagelied sind das „Harren“ und „Festhalten“ des Leidenden an der unbeirrbaren Treue und Barmherzigkeit Gottes. Hören wir den Betenden selbst:
3,21 Das will ich mir zu Herzen nehmen, darauf will ich harren:
22 Die Huld des Herrn ist nicht erschöpft, sein Erbarmen ist nicht zu Ende.
23 Neu ist es an jedem Morgen; groß ist deine Treue.
26 Gut ist es, im Schweigen zu harren auf die Hilfe des Herrn.

Der klagende Beter hat durch alle furchtbaren Leiderfahrungen hindurch das Ausmaß der unentwegten Treue Gottes erkannt. Er hat vertrauend an ihr festgehalten und ist so zu neuer Hoffnung vorgestoßen.
Wir hören und beten die Klagelieder heute in einer Welt, die zum Klagen Anlass gibt. Wir erkennen neu, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.
Im Blick auf das Leiden Jesu, unseres Herrn erfahren wir:
Gut ist es, sich Ihm anzuschließen und im Schweigen zu harren auf die Hilfe Gottes.

 

Impuls am 28.3.

Heute, am 28.3., dem 72. Todestag unseres P. Odo, der als Spiritual unsere Gemeinschaft geprägt hat, zitieren wir in unserem „geistlichen Anti-Viren-Programm“ aus einer Veröffentlichung über ihn. Sie stammt von seinem Laacher Mitbruder P. Angelus Häußling (ALw 28, 1986). Dort heißt es:
Wir geben nur ein einziges Beispiel, das zeigen soll, wie Odo Casel aus seinem theologischen Konzept heraus in unwahrscheinlich einfachen Worten, ohne Minderung der tiefsten Wahrheit, einen beispielhaften Dienst der Erbauung leisten konnte. Er war wenig mehr als ein Jahrzehnt als Spiritual in der Benediktinerinnenabtei Herstelle, als die Kommunität von einem harten Schlag getroffen wurde. Ein jüngeres Mitglied, auf dem viele Hoffnungen ruhten, verstarb unerwartet. Der von Trauer betroffenen Kommunität sagte P. Odo Casel das schlichte, fast enttäuschend einfache Wort: „Jeder Mensch, auch der geringste, ist so in Gottes Hand, als wäre er Gottes einzige Sorge.“

 

Der vierte Impuls stammt von Dr. Norbert Ernst aus seiner Predigt am vergangenen Sonntag

Weshalb geschieht das jetzt? In früheren Zeiten, etwa der Pest, war man versucht, ein Strafgericht Gottes darin zu erblicken. Noch der Jesuit Paneloux in dem Roman „Die Pest“ von Albert Camus denkt so, wenigstens zu Beginn der Epidemie, die in den vierziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Stadt Oran heimsucht. Eine Strafe Gottes! Welch ein Frevel, so zu denken! Als ob man Gottes Absichten erkennen könne!

Warum die Welt jetzt diese Pandemie erleidet, bleibt ohne Antwort. Es sei denn, der Mensch zieht Lehren daraus und fragt sich, in welchen Verblendungen er womöglich gelebt hat. Nein, es bleibt nur übrig – für die, die es noch können -, darum zu beten, dass den Menschen der Mut nicht ausgeht. Und dass niemand sich den Blick verstellen lasse auf das Große und Großartige, das jetzt auch geschieht. Am Ende seiner zweiten Predigt, nachdem er anders zu denken gelernt hat, sagt der erwähnte Jesuit, in Erinnerung an die große Pest von Marseille, vor der alle flohen, außer einem Priester: „Meine Brüder, man muss der sein, der bleibt.“

Ein 3. Impuls

Haben Sie mittlerweile auch schon die Puzzles aus der hintersten Ecke wieder hervorgeholt? Auf dem Foto sehen Sie, woran eine Mitschwester gerade sitzt. Sie ist übrigens schon weit über 90 Jahre alt. Und ihrem Lieblingshobby geht sie auch nur dann nach, wenn sie alle anderen Aufgaben für die Gemeinschaft erledigt hat.
Was das mit Spiritualität zu tun hat?

Der hl. Benedikt schreibt in seiner Regel: “Die Älteren ehren“ (RB 4,70). Vielleicht lehren uns diese Tage, wieder neu zu entdecken, welcher Schatz unsere älteren Mitmenschen sind – wieviel wir von ihnen lernen können – dass wir vielleicht auch behutsam mit ihnen umgehen, wenn wir spüren, dass frühere schwere Erfahrungen bei ihnen nun neu lebendig werden – und dass wir ihnen zuhören, wenn sie uns erzählen, wie wir auch in schweren Zeiten den Mut bewahren können und an der Hoffnung festhalten…

Sr. Lucia

Ein weiterer Impuls unserer Schwester Eucharis am Benediktstag, 21.3.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es heute irgendwo einen Menschen gegeben – der nicht die warme Frühlingssonne als ein beglückendes Geschenk empfangen hat – und wenn sie ihn nur wenigstens in seinem Zimmer mit einem kurzen Besuch erfreut haben sollte …!
Die Seele konnte tief auf – und durchatmen … nach so viel Coronavirus-Alarm!

Und plötzlich spürte man wieder, das gibt es ja doch auch noch in dieser Welt: den Frühling, der sich nicht ausgrenzen lässt … Leben, das aus allen Ritzen dringt und uns in überschwänglicher Farbenpracht entgegenblüht …!

Wie mag es Ihnen gehen?
Ich jedenfalls fühlte mich durch die Begegnung mit diesen lautlosen Lebensgeheimnissen draußen in unserem Garten wie leise an die Hand genommen und aufgefordert, ihre Spuren auch außerhalb des Gartens zu entdecken … sie wahrzunehmen in all den Aufbrüchen von kreativer Hilfsbereitschaft und phantasievollen Zeichen menschlichen Zuwendung mitten in all den gegenwärtigen Restriktionen unserer gewohnten Kontaktmöglichkeiten …
Es kommt noch etwas anderes mit ins Erleben der gegenwärtigen Ereignisse, wenn ich nicht nur Augen habe für den Feind, der unser Leben bedroht – sondern auch für das Geheimnis des Lebens, das von woanders her zu uns kommt …bei uns bleibt … und unser Leben trägt … selbst durch den Tod hindurch …!

 

Ein Impuls unserer Schwester Eucharis angesichts der Corona-Krise

Mir ist, als ob die Welt über Nacht zusammengeschrumpft wäre auf ein Wohnzimmer, in dem immer mehr Menschen aus aller Welt ankommen, um sich zusammenzutun in ihrem erbitterten Kampf gegen einen gemeinsamen Feind. Einen Feind, der über eine Waffe verfügt, deren unheimliche Macht uns plötzlich konfrontiert mit einer Ohnmachts-Erfahrung, auf die wir Menschen des 21. Jahrhunderts nicht gefasst waren…!
Noch stehen wir diesem Feind eher defensiv gegenüber: durch Grenzschließungen, Isolation und Rückzug aus unseren vertrauten zwischenmenschlichen Kontakten …
Und damit leben wir plötzlich wie in einer ganz anderen, uns fremd gewordenen Welt.

Wir hier im Kloster erleben diese Befremdlichkeit, wenn wir zwar in unserer Kirche miteinander weiterhin Gottesdienste feiern dürfen – aber hinter uns die Gästebänke leer bleiben …!
Da fehlt etwas … !
Da fehlen Sie – leibhaftig … oder mindestens als grundsätzlich möglicher Gast!
Um so intensiver verbinden wir uns mit Ihnen, nehmen Sie mit auf unserem Weg und schließen Sie mit ein in unseren Gebeten …!

Ganz konkret heißt das, dass wir jeden Abend in der Vesper für eine besonders betroffene Gruppe von Menschen beten. So am Mittwoch: “Für die Frauen und Männer, die in den Krankenhäusern, Pflegediensten und Arztpraxen den kranken Menschen dienen und in diesen Tagen besonders gefährdet und belastet sind.”

Andere besondere Fürbitten waren:

– “Für die Politiker in ihrer Verantwortung für das Wohl der Menschen in dieser Krisenzeit.”

– “Für die Menschen, die unter dem derzeitigen Besuchsverbot in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen leiden.”

 

Gerne können Sie uns Ihre ganz persönlichen Gebetsanliegen mitteilen – über E-Mail oder die Seite “Gebetsanliegen” auf dieser Homepage.

 

 

Aus der Meditation zum Jahresleitwort von M. Sophia –
von ganz neuer Aktualität in diesen Tagen der Corona-Pandemie

„In dem vergangenen Jahr haben wir unseren Blick auf das Zentrum unserer Kirche gerichtet: auf die Gegenwart des Herrn, der in unserer Mitte ist. In diesem Jahr soll die Bewegung nach draußen im Mittelpunkt stehen. Diese Bewegung ist in unserer Kirche gleichermaßen angelegt. Da sind die geschwungenen Bänke, die wie eine immer kleiner werdende Welle den Raum weiten und in die Ferne weisen. Und da sind die Halbkreise, die auch in der Breite die Raumgrenzen sprengen und sich erst außerhalb der Kirchenmauern zum Kreis schließen. Konzentration, aber auch Weite und Dynamik liegen in unserem Kirchenraum.
Diese Aus-Wirkungen der Mitte sollen uns in dem Leitwort „Hoffnung, die uns erfüllt“ (vgl. 1 Petr 3, 15) mit auf den Weg gegeben sein. Von der Mitte geht die Hoffnung aus; sie teilt sich mit, will weitergetragen und verkündet werden.
Was kommt mir spontan beim Hören dieses Wortes? Vielleicht werde ich erinnert an Erfahrungen, wo mir neue Hoffnung geschenkt wurde; wo es plötzlich leichter wurde und mir neue Kraft zugewachsen ist, obwohl dass Schwere noch gar nicht weg war und Aussicht auf Änderung nicht am Horizont stand. Vielleicht habe ich Menschen vor Augen, die Hoffnung ausstrahlen und mit ihrer Haltung, mit ihrem Leben, mit ihrem Einsatz Hoffnung schenken.
Ohne Hoffnung, ohne Zukunft können Menschen nicht leben. Die Hoffnung, von der Petrus in seinem Brief schreibt, ist nicht eine Hoffnung, die sich ein besseres Leben erwünscht; es ist keine Hoffnung, die von einer besseren Welt träumt oder sich in eine Vergangenheit versetzt, wo alles so sicher und klar war oder zumindest so erschien. Es ist die gekreuzigte Hoffnung des Auferstandenen, die der Gott der Hoffnung in den Menschen, die an ihn glauben, in die Welt bringt.“