Unser Jahresleitwort

Einer guten Tradition folgend gab es auch zum Beginn dieses Kirchenjahres für unsere Gemeinschaft wieder ein Jahresleitwort – ein Wort, an das wir uns auf dem Weg durch das Jahr immer wieder erinnern und an dem wir uns ausrichten können. Das Leitwort in diesem Jahr ist ein Vers aus den Psalmen – den Gebeten, die in der Bibel zu finden sind, die uns mit unseren jüdischen Geschwistern verbinden, die wir mit ihnen singen und meditieren:
Gott ist uns Zuflucht und Stärke (Ps 46,2).
Die folgenden Gedanken aus einer Adventsmeditation von M. Sophia möchten Sie einladen, sich gemeinsam mit uns auf den Weg zu machen.

Aus einer Meditation zum Jahresleitwort
Wir stehen am Beginn eines neuen Kirchenjahres. Trotz und in all den vielen belastenden Erfahrungen: Advent. Ein Neu-Anfang mitten hinein in die Dunkelheit, weil wir darauf vertrauen, dass nur vom Herrn her uns Rettung kommen kann.
„Gott ist uns Zuflucht und Stärke“ – er allein kann uns Halt geben; gerade jetzt, wo uns manchmal der Boden unter den Füßen wegzubrechen scheint und wir das Gefühl haben, dass uns alle bisherigen Sicherheiten genommen werden. „Gott ist uns Zuflucht und Stärke“ – auf ihn können wir bauen, ihm können wir unsere Ängste anvertrauen, in ihm dürfen wir uns geborgen wissen. Diese Zusage soll uns Leitwort im kommenden Jahr sein.
All dem Bedrängenden und Beängstigenden setzt der Sprecher in Psalm 46 entgegen: wie auch immer die Wirklichkeit ist oder werden mag – wir haben Sicherheit und Zuflucht bei Gott. Auch wenn es Grund zum Fürchten gibt – wir brauchen uns nicht zu fürchten, denn Gott ist unsere Zuflucht.
Doch – woher nimmt der Beter diese Sicherheit, dass er sich in allen Situationen auf Gott verlassen kann?
Für das Volk Israel gründet diese Sicherheit darin, dass sich Gott immer wieder als der „Gott-mit-uns“, der Emmanuel, gezeigt hat. Israel ist da mit seinem Gott einen Weg gegangen. Und wir? Können wir persönlich auch in dieser Klarheit für uns sagen: „Der Gott Jakobs ist unsere Burg“ (V4.8.12)?
Erleben wir nicht manchmal das Gegenteil: die dunkle Nacht, die große Unsicherheit, Bedrängnisse? Sind wir nicht immer wieder auch in der Versuchung, uns selbst Sicherheiten zu schaffen, unsere Zukunft selbst „machen“ zu wollen und nicht uneingeschränkt und bedingungslos auf Gottes Macht zu hoffen und auf seine Gegenwart und sein Kommen zu vertrauen?
Gott ist nicht ein Gott, der sich draußen hält, sondern unser Gott ist ein Gott, der mitfühlt mit seinem Volk und ihm hinterhergeht – so weit, dass er Mensch wird und damit ganz Emmanuel, „Gott-mit-uns“ ist. Durch seine Menschwerdung hat sich Gott in radikaler Weise auf uns Menschen eingelassen. Der Hl. Athanasius spricht von einem heiligen Tausch: „Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch göttlich werde.“

Ihnen allen gesegnete Weihnachtstage,
Ihre Schwestern von Herstelle

Zurück zur Übersicht