Die Regel, die der hl. Benedikt im 6. Jahrhundert für seine Mönchsgemeinschaft geschrieben hat, gibt uns Orientierung für unser Leben nach dem Evangelium. Wie Sie an folgenden zentralen Worten sehen können, hat sie auch heute nichts an Aktualität verloren.

 

„Höre …“

Mit diesem programmatischen Wort beginnt die Benediktsregel. Hören – auf wen, auf was? Wir sind eingeladen, aufmerksam zu sein auf die Stimme Gottes in unserem Leben. Wir glauben, dass er zu uns spricht in den Worten der Hl. Schrift, in der Tiefe unseres Herzens, in der Begegnung mit den Menschen um uns herum und in den Ereignissen unseres Lebens. Um diese Stimme, die oft sehr leise ist, hören und verstehen zu können, braucht es Zeiten und Räume des Schweigens in unserem Alltag.

 

„Dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden.“

Der Gottesdienst ist die Mitte unseres Lebens, weil wir dort Christus begegnen dürfen. Zugleich erfahren wir dort auch, wie wir miteinander im Glauben verbunden sind. Wenn wir uns sechsmal am Tag in der Kirche versammeln, ist dies ein Ausdruck davon, dass wir wir mit unserem ganzen Leben, mit allen unseren Kräften Antwort geben möchten auf den Herrn, der uns zuerst geliebt hat. Dieses absichtslose Stehen vor Gott gehört zu den Kostbarkeiten unseres klösterlichen Lebens.

 

„Sie sind dann wirklich Mönche, wenn sie von ihrer Hände Arbeit leben.“

Für Benedikt gehört die Arbeit wesentlich zum Leben im Kloster dazu. So stehen auch wir in der Verantwortung, unseren Lebensunterhalt zu erwirtschaften. Dies geschieht bei uns in Gästehaus, Klosterladen, Werkstätten, aber ebenso auch durch die unterschiedlichsten Tätigkeiten innerhalb des Hauses.
Die Arbeit, ob körperlich oder geistig, ist zugleich die Verlängerung unseres Betens in den Alltag hinein. Hier zeigt sich die Wahrhaftigkeit des Gebetes, das unser ganzes Dasein formen und durchdringen soll.

 

„Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens.“

Alles klösterliche Leben gründet in dem Glauben an die zuvorkommende Liebe Gottes. Gott, der uns das „Leben in Fülle“ verheißt, möchte, daß wir aufleben und immer mehr unser eigentliches Wesen entfalten. Wir haben als Benediktinerinnen einen Weg gewählt, auf dem wir zwar freiwillig auf manches verzichten – aber verzichten, um das Wesentliche zu gewinnen.