Eine moderne Berufungsgeschichte

Aus: Der Dom • Nr. 39 • 30. September 2012

Herstelle. Einst war sie Zahnärztin bei der Marine. Heute leitet Schwester Caterina die Keramikwerkstatt im Kloster Herstelle.

von Richard Schleyer

Schwester Caterina Trostheide ist eine willensstarke Frau. Und ihre energischen Handbewegungen unterstreichen ihre Worte: „Wenn ich mich einmal für etwas entschieden habe, dann ziehe ich das auch konsequent durch!“ Das war damals so gewesen, als die Münsterländerin mit Segelerfahrung nach dem Abitur den unbedingten Wunsch verspürte, sich zur Marine zu verpflichten. Aber auch dann, als die Stabsärztin die Klosterberufung in sich wachsen fühlte. Aus der pflichtbewussten Soldatin wurde eine für Gott und ihre Gemeinschaft engagierte Nonne.
Eigentlich hätte Caterina Trostheide bei der Bundeswehr gern Pharmazie studiert. Aber als man ihr sagte, wenn sie auf Zahnmedizin umschwenke, könne ihr ein Platz bei der Marine garantiert werden, da zögerte sie nicht. Für die Aussicht, zur See zu fahren, würde sie auch als Zahnärztin arbeiten. Und sie übte diesen Beruf dann gern aus, verband er doch das Praktisch-Handwerkliche mit der Möglichkeit, Menschen zu helfen.
Für ihr geliebtes Ziel biss sie sich durch die harte fünfzehnmonatige soldatische Ausbildung, segelte mit der Gorch Fock durch die Meere, studierte eifrig. Als Zahnärztin war sie zwar an Land stationiert. Aber jedes Jahr während ihrer Dienstzeit ging sie einmal mit auf große Fahrt, zuletzt auf eine Vierteljahrestour nach Südostasien. Auf einer Seefahrt kam sie mit dem Militärseelsorger ins Gespräch. Und sie fing mit ihm zusammen an, täglich das Brevier zu beten. Sie stammte aus Steinfurt, dem katholischen Münsterland, war religiös sozialisiert, wie sie betont. Sie war Georgspfadfinderin und in der Gemeinde aktiv. Sie reiste mit nach Taizé, besuchte mit der Schule religiöse Orientierungstage im Kloster. Da keimte in ihr mit 13 Jahren erstmals der Gedanke, ob sie sich nicht ein Leben im Kloster vorstellen könne. „Doch das wurde von anderen Interessen überlagert“, stellt sie heute nüchtern fest. Das Abenteuer der Seefahrt zog sie mehr an.
„Wenn ich etwas mache, dann entschieden und richtig!“, so sagt Schwester Caterina über sich selber. Auch als Marine-Zahnärztin kannte sie keinen halben Einsatz. Doch für ihre Seele suchte sie ebenso die volle Entschiedenheit. Auch mit Gott, so spürte sie, konnte sie keine halbe Sache machen. In ihr regte sich die Klosteridee wieder. Der Zahnarztberuf wurde allmählich zur Routine. Sie wollte aber nicht nur einen Beruf, sie strebte nach einer Lebensberufung.
Um ihren Klosterwunsch zu prüfen, plante sie, ihren Urlaub in einem Benediktinerinnenkloster zu verbringen. Sie fragte bei mehreren an, wurde schließlich an die Abtei Herstelle verwiesen. Sie kannte diese zwar nicht. Aber weil sie in Göttingen studiert hatte und Herstelle an der Weser nicht allzu weit von Göttingen entfernt liegt, dachte sie: „Prima da kann ich noch Studienfreundinnen besuchen.“ Doch, wie es ihre Natur ist, wenn sich Schwester Caterina schon in ein Kloster begibt, dann nicht als Touristin. Sie will sich ganz einlassen. An jedem Stundengebet nahm sie teil. Sie unterhielt sich intensiv mit einzelnen Schwestern. Und in der nüchternen, aber intensiven Weise, Eucharistie zu feiern, fand ihre geistliche Suche eine Heimat. „Ich hatte das Gefühl, angekommen zu sein. Meine Seele fühlte sich zu Hause.“
Nun war ihr ihre Berufung klar geworden. Und wieder setzte sie die ganze Energie ein, ihr Ziel zu erreichen. Sie hatte sich bei der Marine für 16 Jahre verpflichtet. Ihre Zeit war noch nicht um und normalerweise gibt es keine Möglichkeit, aus dem Vertrag auszusteigen. Sie sprach mit dem Personalverantwortlichen, den ihre Entscheidung zum Ordensleben beeindruckte. „Vielleicht findet sich nach dem Soldatengesetz eine Möglichkeit“, meinte er. Mit seiner Hilfe wandte sie sich schriftlich an die zuständige Kommission und begründete ihren Weg der Berufung ausführlich. Sie erhielt einen Wink. „Geben Sie uns etwas an die Hand, das zeigt, wie ernst es Ihnen ist, dass Sie keiner momentanen Laune folgen“, hieß es. Schwester Caterina machte ihren Klostereintritt klar und erhielt von der Hersteller Äbtissin eine Bestätigung, ab dem 1. Januar 2003 im Kloster aufgenommen zu sein. Dieser Entschiedenheit wollte sich die Bundeswehr nicht in den Weg stellen. Im Oktober 2002 erhielt die Stabsärztin ihre Entlassungspapiere.
Nun lebt Schwester Caterina neun Jahre im Kloster Herstelle. In dieser Gemeinschaft von 38 Frauen zwischen 33 und 91 hat sie ihre Heimat gefunden. Ihre Spiritualität beschreibt Schwester Caterina eher als nüchtern. Sie braucht keine Bilder, die Begegnung mit Gott findet sie in der Eucharistie. Das Chorgebet bedeutet für sie eine wichtige Unterbrechung des Tagesgeschäfts. „Aber eine große Sängerin bin ich nicht“, gibt sie zu. Sie singt im Chor mit, für die Schola reiche ihre Stimme nicht, meint sie.
Doch eine andere künstlerische Ader in ihr hat die Hersteller Klostergemeinschaft gefördert. Sie hat schon als Mädchen gern Töpferarbeiten gemacht. Nun leitet sie seit 2010 die klostereigene Keramikwerkstatt. Eine Zahnärztin brauchte man im Kloster zwar nicht, aber das handwerkliche Talent der jungen Nonne wollte die Gemeinschaft nutzen. Sie ermöglichte ihr eine Ausbildung an der Fachschule für Keramikgestaltung im Westerwald.
„Ich bin Handwerker, keine Künstlerin. Ich betreibe Kunsthandwerk“, so erläutert Schwester Caterina ihre Berufseinstellung. Sie geht auch ihre künstlerischen Entwürfe rational planend an. Ihr erstes großes Werk entstand so, eine Gruppe der heiligen Familie, Kern einer künftigen Krippenproduktion im Kloster. Klare einfache Formen bestimmen die Figuren. In ihre Arbeit legte Schwester Caterina aber auch ihr inneres Gefühl hinein. Sie gestaltete die Josefsfigur als jungen engagierten Vater, der fürsorglich seinen Arm zu Maria und dem Kind hin ausstreckt. Und sie verlieh Maria und Josef ähnliche Gesichtszüge; wie ja auch zwei Ehepartner sich im Alter immer ähnlicher werden.