Jeder Mensch ist berufen etwas zu tun und zu sein, wofür kein anderer berufen ist. Aufmerksames Hören nach innen und nach außen läßt uns diesen Ruf wahrnehmen. Wenn wir ihm folgen, wird Leben gelingen.
Der Ruf ins Kloster ist ein Ruf auf einen besonderen Weg der Christusnachfolge neben vielen anderen möglichen Wegen. Ihn zu hören, zu prüfen, sich darauf einzulassen, braucht Zeit.
Voraussetzung für die Aufnahme in unsere Gemeinschaft ist zunächst eine abgeschlossene Berufsausbildung und eine längere Zeit des Kennenlernens in Gesprächen bei Gastaufenthalten oder Kloster-auf-Zeit-Aufenthalten.

Vom Eintritt bis zur endgültigen Entscheidung für ein Leben im Kloster sind es fünfeinhalb Jahre, die sich in drei Abschnitte gliedern.
Das Postulat, das sechs Monate dauert, ist eine Zeit des Hineinfindens in die neue Lebensform. Danach kann die Postulantin um Aufnahme ins Noviziat bitten. Sie bekommt das Ordenskleid und einen neuen Namen.
Das Noviziat ist eine Zeit der Prüfung und Klärung, in der sich zeigen soll, ob die Novizin sich mit den Werten und Idealen unseres Lebens identifizieren kann.
Möchte sie bleiben, so kann sie, nachdem der Konvent darüber abgestimmt hat, zur Triennalprofess zugelassen werden, einem Gelübde für drei Jahre. Sie verspricht Beständigkeit, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam.
Das Triennium ist eine Zeit der Vertiefung und Bewährung. Es führt hin zur Feierlichen Profess, dem Versprechen, für immer in unserer Gemeinschaft Gott zu suchen, mit der ganzen Existenz auf seinen Ruf zu antworten.
Zum Leben einer Schwester in der Probezeit gehört während der gesamten fünfeinhalb Jahre die Teilnahme an den Gottesdiensten, Mitarbeit in einem oder mehreren der klösterlichen Arbeitsbereiche, Lesen und Meditieren der Hl. Schrift, Einführung in die Hl. Schrift und die Regel des Hl. Benedikt, in den gregorianischen Choral, die Liturgie und in die Geschichte des Mönchtums, außerdem regelmäßige Spaziergänge und andere gemeinsame Unternehmungen.
All dies soll ihr helfen, sich immer mehr in der Gemeinschaft und in diesem Leben zu verwurzeln, letztlich in Gott, den sie bei der Profess bittet:

Nimm mich auf, Herr, nach deinem Wort,
und ich werde leben.
Psalm 119,116